Dekotipps

Unser Porzellanladen: Michiko Shida

Wenn eine Schale der anderen gleicht, dann ist es hier nur die Form – denn die Farbe macht jedes Teil zu einem echten Unikat. Einzigartig und doch für jeden Tag.

Japanische Keramik, traditionelle Farben und diese wundervollen runden Formen haben mich schon immer fasziniert. Dieses Faible für japanische Kleinigkeiten ist aber auch leicht zu verstehen, schließlich habe ich auch in Japan studiert, um genau zu sein sogar Japanologie. Meine Freunde sagten also immer, es sei ja schon sehr klar, dass ich japanische Keramik wundervoll fände. Mag sein, wobei ich nicht wirklich sagen kann, was das Huhn und was das Ei ist. Die Tatsache, dass ich Japanologie studiert habe, muss ja irgendwo seinen Ursprung gefunden haben. Vielleicht ist es genau die Keramik, so genau kann ich das nämlich gar nicht erklären. Es war einfach da, aber es ist auffällig, dass ich auch einzelne Teller kaufen kann. Bei uns zum Kuchen eingeladen zu sein, bedeutet nicht selten, dass jeder seinen wirklich eigenen Teller mit seinem eigenen Dekor hat. Die Grundfarben mögen zusammen passen – vielleicht – oder aber auch die Form, aber alles andere ist einfach einzigartig. Jedenfalls bilde ich mir das ein.

Michiko Shida, wie aus einem Faible eine Profession wird

Und dann traf ich Michiko Shida, sie erzählte mir von ihrem Faible für Keramik, und dass sie selbst Keramik mache. Aus einem normalen Faible für Keramik war bei Ihr also ihre Profession geworden. Und was für eine! Ich betrachtete wunderschöne kleine Tassen, perfekte kleine Tellerchen, Döschen mit Deckeln, kleine Kännchen, und ich fühlte mich in eines dieser wunderschönen kleinen Geschäfte in Japan versetzt. Da, wo man diese traumhaften kleinen Geschirre eben bekommen kann.

Eine Profession kann man haben, aber die Perfektion muss man lernen

Wir sprachen wahnsinnig viel, über die Keramik und wie Michiko gelernt hatte, Keramik zu machen. Es müsse doch ein großer Unterschied sein zwischen Deutschland und Japan, sagte ich und fragte Sie, ob sie denn nur japanische Keramik machen könne. Sie lachte mich an und meinte, sie habe auch in Deutschland noch weiter gelernt, wie man Keramik macht. Eben die deutschen Traditionen, beispielsweise Henkel. Ich muss sehr ungläubig geschaut haben, denn dann sagte Michiko zu mir: „Ich kann richtig gute Henkel machen!“ Ich schaute mich um und sah nur an einer Teekanne einen Henkel. Michiko wuchtete die Teekanne hoch und schenkte nach, und es sah nach einem wirklichen Kraftakt aus: „Ja, das ist meine erste Teekanne, und die ist wirklich schwer geworden! Das musste ich erst lernen!“

Von der Profession zur Serie

Gleichzeitig hielt ich in meiner Hand eine so zarte Teetasse, die handgemacht und doch so elegant war, dass ich fast nicht glauben konnte, dass die Teekanne so wuchtig sein sollte. „Wie schaffst Du es, dass alle Deine Dinge so gleich sind? Du machst so wunderschöne Keramik, aber vor allem machst Du sie so präzise. Man kann sie ja sogar stapeln!“ Michiko schaute mich an und sagte: „Ja, schöne Keramiken machen viele, aber eine echte Serie zu produzieren, ist wirklich schwer. Es muss ja tatsächlich alles gleich sein!“ Dann stand sie auf und öffnete ihren Geschirrschrank, der – wie sollte es auch anders sein – überquoll vor Keramik. Nicht nur von ihr selbst, sondern alles mögliche. „Schau mal, ich habe so viel, und ich musste es irgendwie platzsparend machen. Also kann man alles stapeln. Das Geschirr muss ja nicht nur schön sein, es muss auch in unser Leben passen, oder findest Du nicht?“ In meinem Kopf tauchten flashbacks von meinem Geschirrschrank auf. Vom gelebten Chaos, und ich musste zugeben, in mein Leben passte nicht alles, was ich irgendwo gekauft hatte. Mein Geschirr passt nur in exakt einer Reihenfolge in den Schrank – und dass er irgendwann von der Wand donnert, ist meine größte Angst.

Michiko Shida bei der Arbeit

Wenn man Michiko Shida bei der Arbeit zuschaut, erkennt man deutlich, dass es sich nicht nur um wahnsinnige Übung handelt. Es ist sicherlich auch Übung dabei, aber vor allem ist es auch wirkliche Konzentration. Sie spricht nicht dabei – und seien wir ehrlich, vielleicht wäre das bei uns manchmal auch nicht so schlecht. Sie positioniert einen Klumpen auf der Mitte der Töpferscheibe und fängt an, ihn zu formen. Hochkonzentriert bewegt sie ihre Finger und formt so breite Schüsselchen, tiefe Schüsseln, wunderschöne Vasen oder auch filigrane Tassen. Alles eben! Die Spuren ihrer Finger werden für immer auf der Keramik zu sehen sein, ganz feine kleine Rillen, die zeigen, dass diese Tasse und diese Schale wirklich einmal von jemandem mit sehr viel Hingabe geformt wurden.

Die japanische Tradition

Das Geschirr von Michiko Shida ist so traditionell japanisch, die Formen sind japanisch, die Farben sind es. Und doch wird es in Deutschland produziert. Nur eben sehr traditionell japanisch. Und seien wir doch ehrlich, haben wir nicht alle eine Lieblingstasse? Die Zeiten von Geschirren für 24 Personen sind ja nun schon lange vorbei – Michiko greift aus dem Schrank eine kleine japanische Teetasse. „Schau mal, das ist die Tasse von meinem Großvater!“ Was für eine wundervolle Vorstellung, dass Michiko ihn immer bei sich hat. Sogar hier in Deutschland.

Japanische Keramik und die deutschen Traditionen

„Dein Porzellan ist irgendwie so schön, passt das denn auch zu deutschem Essen?“ Michiko lacht mich an und sagt dann etwas, was überraschend ist, wenn man sie sieht. So zierlich sie ist, sie scheint gerne zu essen und nicht nur japanisch. Sie erzählt von großen Parties, und wie die Leute alle an diesem Tisch sitzen, und ich denke mir nur, dass ich da gerne einmal dabei wäre. Sie erzählt von unterschiedlichen Gerichten und davon, dass alle sich aus den Schüsseln in der Tischmitte nehmen. Wir nennen es zu Hause immer ‚Auf japanische Art essen‘, und ich liebe es. Mein Magen hat nur begrenzte Kapazitäten, aber ich bin doch so neugierig. Und schon stellte ich mir unterschiedlichste Salate, kurzgebratene Fleisch- und Gemüsegerichte dampfend in der Mitte dieses Tisches vor. Ja, warum muss das eigentlich immer alles nur Japanisch oder Asiatisch sein? Das funktioniert doch auch mit europäischem Essen! Man muss es eben nur ausprobieren. Wer will denn immer nur ein gesetztes Essen, ein Familienessen ist doch viel toller. „Reich mir doch bitte mal die Schüssel mit dem Salat!“ kann auch die Eröffnung zu einem Gespräch sein! Das nächste Mal koche ich wieder so und zwar mit Michiko Shidas Geschirr, und dann erzähle ich Euch davon!

Und wer Angst vor zu kleinen Portionen hat, von denen man nicht satt wird, der braucht sich bei Michiko Shida keine Sorgen zu machen. Es ist alles groß genug! 

P.S.: Ich habe diese Teekanne hochgehoben und ja, sie ist wirklich schwer – aber ich habe noch nie eine Teekanne gesehen, die so perfekt den Tee in die Tasse befördert. Hoffentlich macht Michiko Shida bald auch eine für yooyama!