Rezeptwelt

Endlich wieder Pl├Ątzchenzeit!

Nach einem grandiosen Sommer wird es langsam k├╝hler, die perfekte Zeit f├╝r Kekse, aber noch nicht f├╝r Zimtsterne ÔÇô wie w├Ąre es mit Matcha Shortbread? Knusprig muss es sein und vielleicht nicht so butterig, schlie├člich liegt die Weihnachtszeit noch vor uns, und ich w├╝rde in diesem Jahr die Strandfigur vielleicht wenigstens noch in den G├Ąnsebraten-November retten. 

Herrlicher Gr├╝ner Tee als knuspriges Pl├Ątzchen

Ich mag den Geschmack von gr├╝nem Tee ÔÇô ich wei├č aber, dass es auch f├╝r mich ein langer und steiniger Weg war. Der erste angewiderte Schluck und die Reaktion meiner Mutter, die zun├Ąchste sagte „Gr├╝nen Tee zu m├Âgen, muss man lernen!“ ÔÇô bringt total viel bei einem Teenager, und die dann das ganze kr├Ânte mit den Worten „Er ist wirklich gesund!“. Es ist kaum m├Âglich, eine gr├Â├čere Antiwerbekampange zu starten als mit diesen beiden S├Ątzen. Ich habe gr├╝nen Tee also gehasst, und auch heute bin ich eher der Earl-Grey-Darjeeling-mit-Milch-Typ. Und ich habe schon in Japan gelebt, als ich mich an diesen verr├╝ckt bitteren Tee gew├Âhnt hatte. Bis auf … wie soll ich es sagen … Matcha mit Milch! Herrlich!!! Wahrscheinlich liegt es daran, dass Matcha mit Milch n├Ąmlich pl├Âtzlich nicht wirklich gesund ist, schlie├člich ist Milch drin und Zucker. Aber es ist wundervoll! Genau aus diesem Grund schw├Ąrme ich f├╝r Matchaeiscreme und Matcha Melon Pan ÔÇô so eine Art Milchbr├Âtchen mit Zuckerkruste. So lecker.

Matcha Matcha Matcha … wann geht es endlich um den Keks?

Wenn man also Matcha vor allem in einer s├╝├čen Variante liebt, dann nat├╝rlich auch als Pl├Ątzchen. Aber irgendwie sind die kauff├Ąhgen Matchapl├Ątzchen h├Ąufig sehr cakey ÔÇô also weich und fluffig. Irgendwie wollte ich aber etwas knuspriges. Jetzt haben wir in D├╝sseldorf das Gl├╝ck, gleich mehrere japanische B├Ąckeren und Konditoren zu haben – deren Pl├Ątzchen sind herrlich und deutlich knuspriger als die Convenient Variante aus bunten japanischen Packungen. Aber es ist immer noch nicht knsuprig genug. Unsere Lieblingskonditorei Pure Freude, die nicht nur um die Ecke ist, sondern vor allem auch Grund daf├╝r ist, warum ich nat├╝rlich keine moderne, sondern eher eine klassisch-barocke Strandfigur habe, macht ein Sabl├ę, dessen Konsistenz perfekt ist. Nur ist das in Vanille oder Schokolade. Herrlich, aber eben nicht Matcha. Und ich wollte eine Spur weniger Butter im Pl├Ątzchen haben. Also habe ich die K├╝che ins Chaos verwandelt: der perfekte Zustand der yooyama Versuchsk├╝che!

Shortbread ÔÇô oder wie man den gleichen Namen f├╝r unz├Ąhlige Pl├Ątzchen findet

Mein Allrounder und auch schon der Allrounder meiner Mutter ist das Shortbread. Es ist nicht nur ein Pl├Ątzchen, es scheint eine ganze Gattung von Pl├Ątzchen zu sein, und auch wenn man sich mal durch den auch in deutschen Superm├Ąrkten verf├╝gbaren Klassiker von Walkers arbeitet, merkt man, dass es so viele Sorten gibt. Nur mit Matcha gibt es keins, aber das muss doch irgendwie klappen! Shortbread ist also wirklich mehr ein Gattungsbegriff, also habe ich mich durch unz├Ąhlige Rezepte gearbeitet ÔÇô die Grundzutaten sind auch trivial: Butter, Zucker und Mehl ÔÇô und das in unterschiedlichen Mischungsverh├Ąltnissen. Ich habe mich also durch die Rezepte aus Balomoral, Dorset und Ayrshire gearbeitet. Manche hatten die Konsitenz von Heidesand, dann eine Spur Cakey, und eines war so butterig in Verbindung mit Sahne, dass die Finger trieften. Alles ist herrlich, nur irgendwie nicht das richtige f├╝r mein Experiment … und dann stolperte ich ├╝ber ein Shortbread aus einem sehr alten Kochbuch. Florence B. Jack ÔÇô vielleicht vergleichbar mit Henriette Davidis in Deutschland (wir kommen ├╝brigens aus dem gleichen Nest irgendwo im West am Waldrand … wirklich wahr!), der Frau die eigentlich das erste Kochbuch f├╝r Frauen in deutscher Sprache verfasst hat  ÔÇô wobei es wirklich um Haushaltsf├╝hrung geht. So war auch Florence B. Jack die Kochbuchautoron, die aus englischen Frauen Anfang um die vorletzte Jahrhundertwende passable Hausfrauen machen ÔÇô mit ihrem Standardwerk Cookery for every Household und genau da wurde ich f├╝ndig. Es ist ein Rezept, in dem Reismehl und Weizen gemischt werden. Verr├╝ckt! Aber vielleicht wird das etwas.

Das Rezept f├╝r Shortbread von Florence B. Jack ÔÇô vom Urzustand zum ultimativen Matcha Keks

125 gMehl
60 gReismehl
125 g Butter
100 gZucker
1 ELMatcha
5 ELWasser
Zucker zum Auswalzen
K├╝hlzeit
45 – 60 Min

K├╝hlen der Pl├Ątzchen
Backzeit
20 – 25 Min

160┬░ C Umluft

Der erste Versuch war das klassische Rezept. Lecker, wirklich lecker. Und knsuprig! Und gar nicht so s├╝├č … also irgendwie bringt das Reismehl eine Knusprigkeit, die toll ist. Dazu kommt ein herrliches Vanillearoma. Und das Shortbread verliert seine Heidesandigkeit, die ihm manchmal so eigen sein kann. Und die ich manchmal liebe und manchmal hasse … also dieses Shortbread k├Ânnte mein neues Lieblingsshortbread werden. Nur, wir kommt jetzt der Matcha da rein?

Den Matcha pulverig in die Mischung zu geben ist schon das erste Problem, der Teig verbindet sich nicht mehr ÔÇô mehr Butter ist f├╝r mich aber keine Option, ich will es ja NICHT so butterig haben, denn Butter hat zwar einen herrlichen Eigengeschmack, aber der f├Ąllt beim Matcha ja nicht mehr auf, die Kalorien kann man also getrost weglassen. Ich habe den Teig also mit Wasser gestreckt, das Gr├╝n verteilt sich allerdings erst nach mehreren Extrafahrten in der Kitchen Aid. Geht nicht. Also habe ich mich entschlossen, den Matcha vorher mit Wasser anzur├╝hren und dann in den Teig zu geben. Und das gibt ein perfektes Gr├╝n. Nur, der Teig ist fast kletschig, erinnert an die Konsistenz von ganz feinem kinetischem Sand … in dem Augenblick war ich mir sehr sicher, auf dem Holzweg zu sein. Au├čerdem ist das Shortbread nicht so s├╝├č, und genau das war das n├Ąchste Problem. Matcha ist bitter, und die Pl├Ątzchen haben mich eher an verbackenen Chiccoree aus Omas Garten (nicht meine echte Oma, eine ├Ąltere Dame in der N├Ąhe, die einen wundervollen Gem├╝segarten hatte) erinnert. 

Mist … 

Ich wollte mich nicht geschlagen geben, also habe ich nach und nach Zucker zugegeben … am Ende war es einfach 2/3 mehr als im Rezept, ob das gesundheitlich jetzt wirklich besser ist als ein fettreicheres Pl├Ątzchen zu backen, wei├č ich nicht. Aber dann ist mir aufgefallen, dass in diesem Shortbread Rezept nicht nur mit Abstand der geringste Butteranteil war, sondern auch am wenigstens Zucker. Ich denke also, dass es okay ist. Nur die Konsistenz hat mir nicht gefallen, ich habe unsere Arbeitsplatte schon in einer gr├╝nen Katastrophe gesehen. Mit Mehl ausrollen, klappt nicht ÔÇô alles wird gr├╝n. Also habe ich auf Zucker ausgerollt, und ich sage Euch, kein Gr├╝n in der gesamten K├╝che mehr zu sehen. Perfekt!

Die Pl├Ątzchen sollte man dann aber noch einmal k├╝hlen, ich habe das erste Blech warm gebacken, die Oberfl├Ąche war nicht so sch├Ân. Aber ich k├╝hle die Pl├Ątzchen immer erst nach dem Ausstechen, es erleichtert alles. Also in unserem K├╝hlschrank finden mehrere Backbleche spielend Platz, ein Einbauk├╝hlschrank w├Ąre f├╝r mich undenkbar. 

Das Ergebnis ÔÇô irgendwie ein Matcha Latte als Knusperkeks

Herrlich … die Pl├Ątzchen backen vergleichsweise lange, wobei ich sie auch auf niedriger Temperatur backe, damit sie nicht zu schnell br├Ąunen. Sie werden einfach umwerfend, richtig warm aus dem Ofen sind sie noch ein bisschen weich, aber beim Abk├╝hlen werden sie herrlich knsuprig. Ich steche ├╝brigens meine Pl├Ątzchen immer noch einmal warm aus, also ich s├Ąubere die Kanten. Das mag komisch klingen, aber ich mag kreisrunde Pl├Ątzchen, die man perfekt aufeinander stapeln kann. Ich darf auch einen Knall haben, oder?

Das Fazit zum Keks

Wenn ihr Matcha m├Âgt, auch gern in einer s├╝├čen Variante und knusprige Pl├Ątzchen f├╝r Euch perfekt sind, dann ist das Euer Pl├Ątzchen!